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Interview mit Patrick, Martin und Hoimar von der Band Disharmonic Orchestra


Foto: Disharmonic Orchestra
Nach ihrem Auftritt beim Protzen Open Air 2026 konnte ich im Backstage-Bereich mit der Band Disharmonic Orchestra aus Österreich ein Interview führen.
Den Bericht zum Auftritt der Band könnt ihr übrigens hier... nachlesen.

Petra Welles: Vielen Dank an euch, dass ihr euch alle drei für das Hell-Is-Open Zeit nehmt. Könntet ihr bitte anfangs zur Bandgeschichte ein bisschen was sagen? Das DISHARMONIC Orchestra gibt es ja schon sehr lange und was ich persönlich beachtlich finde, mit quasi denselben Bandmitgliedern.
Patrick: Ja, nicht ganz (lacht). Wir (Patrick und Martin) sind jetzt seit 1987 zusammen aktiv. Und der Hoimar ist 2008 dazugestoßen.
Zur Bandgeschichte: Wir haben 1987 begonnen, da haben wir 1988/89 – glaube ich, war das - gemeinsam mit PUNGENT STENCH so eine kleine Minitour gemacht, in der Schweiz und in Deutschland. Das müsste 1988 gewesen sein, denn 1989 haben wir schon die Split gemacht. Da wollten wir gemeinsam eine Split-EP mit Pungent Stench machen und haben ein Konzert gespielt. Ich meine, das war in Bayern und da war jemand von Nuclear Blast vor Ort, der hat uns gesehen und die haben uns beide dann quasi vom Fleck weg ge-signed. Da haben wir bei Nuclear Blast die erste Split-EP gemacht und danach noch drei Platten.
Petra Welles: Ist es einfach gewesen in Österreich, weil, es war ja doch eine andere Zeit?
Patrick: Für uns war es damals eigentlich schon einfach. Obwohl, wir mussten es halt selbst organisieren. In Klagenfurt z.B., die Auftritte haben wir uns selbst organisiert. Der Alex (Wank), der Schlagzeuger von PUNGENT STENCH, der hat da Bühnen organisiert. Aber in Österreich waren wir weniger. Wir sind eigentlich eher gleich in Deutschland und in der Schweiz aufgetreten, auch in den Niederlanden haben wir gespielt, in Israel und in den USA. Wir waren die erste Metalband weltweit, die in Israel gespielt hat. Das war 1991, glaube ich. Und in Westberlin, wo es noch geteilt war, in der DDR vor der Wende.
Petra Welles: Ihr habt im Laufe der Zeit die Musikrichtung etwas geändert.
Patrick: Ja, das hat sich so entwickelt. Wir haben mit Grindcore begonnen und jetzt ist es eher schon mehr Death Metal, ins Technische. Wir haben aber nicht den Anspruch, dass wir total Death Metal machen, das passiert, so wie wir Musik machen, im Jammen und gemeinsamen Spielen haben sich halt ganz viele abgefahrene Teile ergeben. Im Nachhinein betrachtet, für damalige Verhältnisse, waren wir sehr innovativ.
Petra Welles:: Ich nehme an, ihr habt alle musikalische Ausbildungen? Wenn man z.B. so Schlagzeug spielen kann, dann muss man in irgendeiner Form das gelernt haben, oder?
Martin: Also, der Hoimar und ich wir haben mit anderen Instrumenten eine Ausbildung gehabt. Aber nicht mit denen, die wir jetzt spielen, doch bei dir mit dem Bass schon. Du hast mit Geige angefangen und ich habe mal Klarinette gespielt.
Patrick: Und ich habe früher Flöte gespielt (lacht).
Martin: Aber was jetzt unsere Band betrifft, als ich mit dem Patrick angefangen habe, da haben wir von Null angefangen. Wir waren volle Greenhorns, die Krach gemacht haben. Dadurch, dass wir uns aber sehr intensiv damit beschäftigt haben, hat sich das ganz gut weiterentwickelt.
Petra Welles: Ihr seid nebenberuflich Musiker? Ihr macht die Musik hobbymäßig als Leidenschaft und geht Berufen nach?
Patrick: Ja genau.
Martin: Aber wir haben gute sechs bis sieben Jahre bescheiden von der Musik gelebt, also so bis 1995. In dem Alter hat man jetzt auch keine so hohen Ansprüche und da sind wir eigentlich ganz gut über die Runden gekommen.
Petra Welles: Wie macht ihr das Songwriting? Eure Veröffentlichungen sind ja eher ein etwas längerer Prozess.
Patrick: Ja, es zieht sich ein bisschen.
Martin: In dem Zeitraum, wo andere dreißig Alben machen, das machen wir fünf.
Patrick: Ja, das ist ein gemeinschaftlicher Prozess.
Martin: Dadurch, dass sich das ganze Umfeld geändert hat und was jeder einzeln für sich jetzt so noch daneben für Geschichten laufen hat, hat man einfach viel weniger Zeit, dass man da noch ein bisschen mehr weiterkommt. So wie am Anfang, wo wir uns fünf Tage in der Woche zum Proben getroffen haben, da ist wirklich ständig was weitergegangen. Die Jungs, also zuerst hat der Patrick mal eine Familie gegründet und als der Hoimar dazu gekommen ist, hat der mal eine Familie gegründet. Das sind halt dann andere Prioritäten.
Patrick: Aber wir spielen einmal die Woche. Wir hatten jetzt so viel Pause, weil sich die Lebensumstände verändert hatten, und da ist weniger Zeit für die Musik geblieben. Aber seit zwei oder drei Jahren ist der Fokus schon wieder viel stärker auf die Musik. Deswegen spielen wir jetzt auch mehr Konzerte.
Petra Welles: Ihr lebt in Klagenfurt, oder? Also in dem Klagenfurter Raum.
Hoimar: Ja, ich lebe in Klagenfurt Land, in Ferlach.
Petra Welles: Diese Kärntner bzw. österreichische Identität, spielt das bei euch eine Rolle? Oder ist das ganz ausgeblendet?
Patrick: Ja, wir sind musikalisch Kärntner, das haben wir schon festgestellt in den letzten Konzerten. Wir sind, wie wir eben sind, nämlich Südösterreicher, die in einem peripheren Gebiet einen eher lustigen Zugang zur Musik haben. Wir sind kreativ und haben eine Gaudi beim Spielen. Und wir haben einen super Sound-Engineer und so sind die letzten Shows gewesen, so wie wir sind: tight, individuell, viele Riffs, das macht uns aus, viele Tempiwechsel. Alles dabei. Wir haben aber nie diesen Anspruch - alles darf, nichts muss!
Petra Welles: Eure Musik ist ja sehr komplex und läuft nicht so nebenher zum Mitgrölen. Funktioniert das immer bzw. kriegt man das überhaupt mit auf der Bühne?
Patrick: Also, wenn ich jetzt so reflektiere – in den Anfangszeiten, als wir mit unserer Musik gestartet haben in der komplexeren Art, dass jetzt die Leute mehr damit anfangen können. In den 90er Jahren war es teilweise schon schwierig. Aber jetzt gibt es auch schon viele andere komplexe Bands und im Vergleich zu anderen Bands, sind wir ja eher einfach.
Hoimar: Wir sind halt ein Kärntner Trio, quasi ein Gesangsverein (lacht).
Petra Welles: Heute hat das auch super funktioniert. Der Hangar war rappelvoll und ihr habt eure Zuhörenden halten können, was bei dieser Hitze partout nicht einfach war.
Patrick: Ja, es ist nicht nur mitschunkeln.
Hoimar: Ich hätte mal gerne jemand, der die Riffs zählt, die wir runterballern. Die verschiedenen und die, die sich wiederholen. Das wäre mal eine Quizaufgabe (lacht).
Patrick: Derjenige oder Diejenige bekommt dann ein T-Shirt. Oder wir analysieren es selbst mal!
Martin: Wenn ich da mal reingrätschen darf, also ich finde, die letzten Konzerte waren allesamt so, desto länger das Konzert dauerte, desto mehr hatten wir das Gefühl, dass wir alle gecatched haben. Wir probieren, einfach abzuliefern.
Patrick: Und es ist wichtig, dass wir unseren Tontechniker dabeihaben, das ist unser vierter Mann. Dass wir jemand haben, der das schafft, das halbwegs differenziert rüberzubringen. Das Problem hatten wir früher teilweise, weil wir uns nicht richtig gekümmert haben, dass wir einen kompetenten Tontechniker mit am Start hatten, dann hatten wir unter Umständen einen matschigen Sound. Unsere Musik braucht einen guten Sound. Martin: Und da hat uns der Chris schon oft geholfen, wenn etwa die Musikanlage oder die Begleitumstände nicht so toll waren, da hat er uns rausgerissen.
Petra Welles: Habt ihr das erste Mal hier am Protzen Open Air gespielt?
Patrick: Ja, genau. Aber in Ostdeutschland haben wir früher ständig gespielt, fast jedes Wochenende. Gleich nach der Wende waren wir sehr oft da.
Martin: Es passiert uns oft, dass, wenn wir hier spielen, dann kommen Leute zu uns, die sagen: „Hey, ich habe euch schon damals gesehen! In den 90ern, damals war ich 12 oder 16.“ Wir vermitteln irgendwie die 90er Jahre. Wir lösen bei den Leuten aus, dass sie mit uns die 90er Jahre identifizieren. Die meisten haben schöne Erinnerungen an dieses Jahrzehnt.
Petra Welles: Noch zu euren Plänen - Ich weiß, dass ihr das Abschiedskonzert von Martin Schirenc (Schirenc plays Pungent Stench) in Wien am 30.12. supportet.
Patrick: Wir spielen heuer Einiges. Wir sind eigentlich auf Europa Tournee. Nur nicht in einem Stück zwei Wochen, sondern quasi das ganze Jahr. Wir spielen auf diversen Festivals, in den Niederlanden, in Belgien, dann sind wir noch in Berlin davor. In Italien bei einem Metal Fest in Padua (26.7.2026), in Linz das Steel City Sorcery Festival (19.9.2026), davor in Kärnten das Blaphemic Rites Fest (29.8.2026) und in Frankreich – zusammen mit Schirenc – das L’Homme Sauvage (25.9.2026).
Martin: Im Monat so zwei bis drei Auftritte.
Patrick: Und dann treffen wir uns in Klagenfurt, in unserer Heimatstadt, im Dezember (18.12.2026).
Petra Welles: Somit seid ihr wirklich sehr aktiv.
Patrick: Und nächstes Jahr feiern wir unser 40-jähriges Jubiläum.
Martin: Und da muss was passieren...
Patrick: 2027 spielen wir auf dem Maryland Deathfest. Da sind wir schon eingeladen. Und wir werden eine neue Platte machen. Das wäre unser Ziel. Wir sind gerade in Verhandlung mit einem deutschen Label. Und danach machen wir bestimmt ein paar Konzerte.
Petra Welles: Vielen Dank für die Ein- und Aussichten in euer Bandleben und alles Gute für all eure Vorhaben.


Interview geführt , veröffentlicht // Petra Welles