MASSTERON - Second in the Spheres
*** Review von Chris / Keitzer ***
Bei Bands aus Polen werden ich immer hellhörig, denn was da im Bereich an Black/Death Metal erscheint ist qualitativ meist Top. Nun jetzt MASSTERON aus Lebork mit ihrem Debutalbum "Second in the Spheres" und was soll ich sagen, extremer Metal muss nicht modern klingen, um relevant zu sein.
Das Debütalbum ist eine bewusste Absage an überproduzierte Perfektion. Stattdessen orientiert sich die Band an jener rauen Energie, die den Extreme Metal der späten Neunziger geprägt hat. Black Metal trifft auf Death Metal, dazu gesellt sich eine Portion dreckiger Thrash-Attitüde. Namen wie Azarath, Inquisition oder Aura Noir lassen sich als Referenzen durchaus heranziehen – Massteron wirkt dabei jedoch nicht wie eine nostalgische Coverband vergangener Zeiten. Wucht statt Hochglanz.
Songs wie "True Midnight" oder auch "Sidereal Chaoskampf" klingen so herrlich roh und drücken richtig schön aufs Fressbrett. Ein entscheidender Faktor für die Wirkung von Second in the Spheres ist die Entstehungsweise. Die sechs Stücke wurden live im Studio eingespielt. Das hört man. Nicht im Sinne irgendwelcher störender Produktionsfehler, sondern durch die unmittelbare Dynamik, die zwischen den Instrumenten entsteht.
Die Gitarren klingen bissig und trocken, das Schlagzeug drückt mit entsprechender Härtenach vorne und der Bass bekommt genügend Raum, um das Fundament nicht einfach nur zu verstärken, sondern tatsächlich Teil des Sounds zu sein. Über allem thront ein Gesang, der sich hervorragend in dieses räudige Klangbild einfügt.
Gerade im Extreme Metal besteht die Gefahr, dass eine bewusst rohe Produktion schnell in Beliebigkeit oder schlichtes Klangchaos abrutscht. Massteron umgeht diese Falle. Hinter der dreckigen Oberfläche steckt ein erstaunlich kontrolliertes Songwriting. Riffs werden nicht einfach aneinandergereiht, sondern entwickeln sich nachvollziehbar, Übergänge sitzen und Tempowechsel sorgen dafür, dass die knapp 37 Minuten nicht wie ein einziger undurchdringlicher Block wirken.
Die Black-Metal-Einflüsse sorgen für die frostige Atmosphäre, während Death Metal die notwendige körperliche Wucht liefert zwischendurch blitzt die Energie auf, die man aus dem frühen Extreme Metal kennt. Das Interessante dabei: Massteron versucht nicht, aus diesen Einflüssen einen möglichst komplizierten Genre-Mix zu basteln. Die Band vertraut auf ihre Riffs. Das macht Second in the Spheres angenehm direkt.
Dass hinter Massteron erfahrene Musiker stehen, merkt man dem Album ebenfalls an. Second in the Spheres klingt nicht nach einer jungen Band, die verzweifelt versucht, den Sound einer vergangenen Ära zu imitieren. Vielmehr entsteht der Eindruck von Musikern, die genau wissen, welche Elemente sie aus dieser Zeit übernehmen wollen.
Auch die lange Entstehungsphase passt zu diesem Eindruck. Die Aufnahmen begannen 2024 in Gdynia und wurden 2025 in London fortgeführt. Mix und Mastering wurden erst Ende 2025 abschlossen. Das Ergebnis wirkt entsprechend nicht wie ein Schnellschuss, sondern wie ein Projekt, das über einen längeren Zeitraum gereift ist.
Wertung: 8,5 / 10

Gesamtlänge: 37:00
Label:ATMF
VÖ: 24.09.2026
Tracklist
1. Voice of Fire 4:43
2. True Midnight 6:01
3. Achronon 5:52
4. Strife Eternal 5:38
5. Sidereal Chaoskampf 4:26
6. Omnispherous Majesty 11:30
Band auf Bandcamp
Bearbeitet von UnDerTaker an 14.09.2026, 19:31
--------------
I will rise up from the chaos
I will rise up from the grave
A brother to the darkness
A master to the slaves