Forum: Death-Metal
Thema: Review: Abscess – Dawn of Inhumanity
Eröffnet von: stalinorgeler

Beitrag von stalinorgeler an 11.03.2010, 14:47
Abscess – Dawn of Inhumanity

Abscess hier vorzustellen heißt wohl Eulen nach Athen zu tragen. Für die, die´s trotzdem nicht wissen, fünfzig Prozent der Besetzung der Gruppe spielten früher bei Autopsy. Namentlich Danny Coralles und Chris Reifert, welche ja auch seine Death-Metal-Karriere als Fellverdrescher bei Death startete. Unterstützt werden sie von Clint Bower Ex-Hexx) an Gitarre und Vocals und Joe Allen am Tieftöner. Habe die Band in den letzten Jahren nicht mehr großartig auf dem Radar in der Metallandschaft verorten können, waren aber wohl der Recherche nach kontinuierlich mit einigen Split-Veröffentlichungen und Full-Length-Releases dabei. Wie dem auch sei, da ich das Material von Autopsy ebenfalls nicht allzu gut kenne, hab ich mir nochmals schnell ein paar Songs der Vorgängerveröffentlichungen reingepfeffert um was über die muskalische Entwicklung sagen zu können!

Und ich muss ganz ehrlich gestehen, das aktuelle Material hat für meinen Geschmack einen ganz schönen Zacken an Primitivität gewonnen. Abscess spielen (in Anlehung an Black Metal) Death Metal der Marke „true“. Sowas gibt’s ja eigentlich nicht, aber Dawn of Inhumainty ist so roh, wie ein frisch aus dem Torso geschnittenes Steak im Schlachthaus und schön wie ein eiterndes, nässendes Geschwür. Hier wird so dermaßen punkig abgerotzt, dass es kein Wunder ist, das da gleich mal Gesangseinlagen von Fenriz und Nocturno Culto in den blutig-schleimigen Cocktail gekotzt wurden. Kein Wunder auch, dass Dawn of Inhumanity auf dem Label des Darkthrone-Duos veröffentlicht wird. Faszinierend häßlich das Ganze. Der Band musikalisches Nichtskönnertum zu unterstellen, wäre angesichts der Historie frevelhaft, vielmehr werden die Ohren hier bewusst auf eine besonders perfide Art malträtiert. Die Songstrukturen sind äußerst simpel gehalten, bei den zeitweise eingestreuten Soli blitzt jedoch das handwerkliche Können der Beteiligten immer wieder auf. Was, sofern ich es sowohl für Autopsy als auch Abscess in Erinnerung habe typisch ist, sind die sehr langsamen Parts, die versuchen durch ordentlich Tremolo und gewisse Tonfolgen auf der Gitarre ein beklemmendes Horrorszenario zu kreieren. Manchmal klingt das allerdings wie im Schlusstrack Black Winds of Oblivion auch nach sehr psychedelischem, alles zermürbendem Doom-Metal. Wirre Soundspielereien und Gesangsleistung alá Rumpelstillzchen mit Tollwutanfall und ´nem halben Knebel in der Fresse tun ihr übriges um den Hörer leicht verstört zurückzulassen. Das artet auch schon mal in wilde Schreierei aus, als ob dem Vokalisten Chris Reifert persönlich die Haut in Fetzen vom Leib gerissen wird. Irgendwie hat die Mucke auf Grund ihrer teilweise recht großen, wirklich punkigen Songstrukturen des öfteren gewisse Parallelen zum “truesten” Schwarzmetall, klingt jedoch an manchen Stellen auch schonmal wie ´ne abgeranzte Version von Napalm Death etwa in Never Sane again. Allerdings gibt es auch Songstrukturen, die doch etwas zu befremdlich wirken, etwa der Anfang von What have we done to ourselves. Hier wird meiner Meinung nach wirklich zu punkig zu Werke gegangen. (Erinnert ja schon an die Böhsen Onkelz, igitt!)

Hochglanz-Audiofetischisten werden während dem Genuss dieser Scheibe nur vor sich hin sabbernd und dem Wahnsinn anheim gefallen in der Ecke sitzen. Extra-Dumpf und mitten- und basslastig trägt die verwaschene Produktion ganz gewaltig zum Old-School- und Primitivitätsfaktor bei. Ich find´s sympathisch.

Fazit: Das ist wirklich brutal-kranker Scheiß!

Perfect stuff for the mentally ill and those who still wants to become.


Wertung: 8 / 10



Anspieltipp: Goddess of Filth and Plague



Gesamtlänge: 52:31
Label: < Peaceville >
VÖ: 12.03.2010

Tracklist
1. Goddess of Filth and Plague
2. Torn from Tomorrow
3. Never Sane Again
4. Dawn of Inhumanity
5. The Rotting Land
6. Dead Haze
7. What Have We Done to Ourselves
8. Dark Side of a Broken Knife
9. Divine Architect of Disaster
10. Black Winds of Oblivion



Website der Band: < www.abscessfreaks.com/ >
Myspace: < www.myspace.com/abscessband >

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