Forum: Black-Metal
Thema: Review: Uada - Djinn
Eröffnet von: ALUCARD

Beitrag von ALUCARD an 12.08.2020, 12:47
Uada - Djinn

Album Nummer drei der Senkrechtstarter aus Portland. Normalerweise heisst es ja das man mit dem dritten Album beweisen muss das man das Level der vorhergegangenen Platten halten kann, sich aber dennoch verändert ohne sich selbst zu verraten. Alles Käse, das Debüt "Devoid of Light" war schon so saustark das sämtliche Relevanz in der Szene gerechtfertigt war. Das untermauerte "Cult of a dying Sun", 2020 ist der Albumtitel kürzer geworden und die neue Scheibe heisst einfach nur "Djinn".

Bei "Cult of a dying Sun" gab es ja schon leise Stimmen das man das Rezept vom Debüt einfach nochmal angewendet hat und der Unterschied zu "Devoid of Light" nicht so gross war. In welche Richtung geht es nun mit "Djinn"?
Nun, der Black Metal hat sich etwas zurückgezogen. Die dadurch frei gewordenen Flächen füllt man mit klassischem Heavy Metal. Der Kontrast zu den beiden Vorgängeralben ist somit vorhanden, aber nicht so extrem das man jetzt Angst haben müsste das Uada nicht mehr Uada sind. Die Titelstruktur ist nur offener für andere Einflüsse, lange melodische Teile mit reduzierter Geschwindigkeit finden ebenso ihren Platz wie gut hörbare Gitarrensolos. Ich bin auch der Meinung das der Gesang etwas variabler geworden ist was sehr gut ins Gesamtbild passt. Im Kern sind Uada natürlich immer noch eine Black Metal Band, es gibt also auch genug schnelle Passagen mit der für die Band typischen Atmosphäre. Doch vor das Schlagzeug schieben sich immer wieder die hochmelodischen Gitarren und erobern sich ihren Platz zurück, durch das tolle Soundbild kann man diesem Wechselspiel sehr gut folgen.

Mit "Djinn" gelingt es Uada sich aus dem Schatten der beiden Vorgängerplatten zu lösen ohne den eigenen Weg zu verlassen, ein Kunstgriff der nicht vielen Bands gelingt. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch die Albumgestaltung: Beim ersten Album kauerte die Gestalt auf dem Boden, beim zweiten stand sie und bei "Djinn" schwebt sie über dem Boden. Der dazugehörige Mond der beiden anderen Werke wurde jetzt zum schwarzen Loch, die vorne links platzierte Person ist verschwunden und die hohen Gebirge sind einer eher hügeligen Landschaft gewichen. Legt mal alle drei Artworks nebeneinander, ihr werdet sehen trotz einiger Änderungen gehören sie gestalterisch irgendwie zusammen.

Kurze Titel im radiogerechten 3-Minuten Format waren ja noch nie die Angelegenheit der Band aus Portland, auch beim neuesten Output bewegt man sich zwischen fast sieben und knapp 14 Minuten. Bei den beiden Tracks mit Überlänge, "No Place Here" und "Between Two Worlds", ist es einfach eine Freude wie die Band es mit spielerischen Mitteln löst das keine Langeweile aufkommt und einem die Titel am Ende gar nicht so lang vorkommen, immerhin reden wir hier von jeweils fast einer viertel Stunde.

Im aktuellen Deaf Forever habe ich gelesen das die jetzt vorliegende Version gar nicht die Version ist die die Band veröffentlichen wollte, durch einen Computervirus ist die finale Version wohl zerstört worden und man musste "Djinn" mit einem älteren Mix zu Ende führen, Sänger & Gitarrist Jake Superchi kann laut Interview im Magazin zwar damit leben aber es ist nicht alles was er wollte. Wenn man sich "Djinn" dann ein paar Mal angehört hat und ebenso begeistert ist vom Ergebnis wie ich, dann fragt man sich: was hätten die Jungs von der Leine gelassen wenn dieser Computervirus nicht gewesen wäre?
Am Ende bringt dieses "hätte, könnte, sollte" natürlich niemanden weiter, "Djinn" ist jetzt "Djinn" wie es ist und ich finde es ziemlich grossartig. Die kleinen Veränderungen führen zu einem neuen Weg und befreien Uada ein Stückweit aus ihrem eigenen Korsett. Dabei gelingt es der Band Elemente aus dem klassischen Heavy Metal einzubauen die keine Spur altbacken oder wiedergekäut klingen. Das diese Anteile wie selbstverständlich in das typische Uada Gewand eingeflochten wurden ohne das sie wie Fremdkörper wirken beweist grosses Können im Bereich Songwriting. Ich denke mal das erscheint so spielerisch und absolut passend weil diese Elemente im Sound von Uada schon immer vorhanden waren, nur kamen sie noch nicht richtig zu Vorschein. Das ist jetzt mit "Djinn" gelungen und ich kann sagen die Entscheidung dafür wahr goldrichtig.

9,5 von 10 Punkten



Gesamtlänge: 60 Minuten
Label: Eisenwald
Vö: 25.09.2020

1.Djinn
2.The Great Mirage
3.No Place Here
4.In the Absence of Matter
5.Forestless
6.Between Two Worlds

< https://uada.bandcamp.com/album/djinn >

Beitrag von Exorzist an 12.08.2020, 16:29
Na da ist ja jemand begeistert vom neuen Album. Ich fand den neuen Vorabsong noch nicht so prall, muss aber wohl doch noch mal genauer rein hören.
Beitrag von Höllenfürst an 13.08.2020, 08:30
Der 25.09. ist bereits vermerkt.
Beitrag von UnDerTaker an 13.08.2020, 23:05
Bin mal gespannt wie die Scheibe so ankommt.
Habe mal reingeschnuppert und muss sage, es braucht ein paar Anläufe. Das die Songs so sehr lang geworden sind finde ich nicht unbedingt so gut und ja, der BM ist weniger präsent. Wie du schon schreibst UADA bleiben UADA aber eben etwas softer...

Beitrag von ALUCARD an 14.08.2020, 11:52
Video zu "No Place Here" online: < https://youtu.be/jedreldwSiY >
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