Forum: Black-Metal
Thema: Review: Arathorn – Treue und Verrat
Eröffnet von: stalinorgeler

Beitrag von stalinorgeler an 08.05.2008, 12:38
Arathorn – Treue und Verrat

Es ist nun gekommen, es ist nun soweit, das Ende der Welt welches Ragnarök heißt…, so eine Textzeile vom neuen Arathorn-Album Treue und Verrat. Es ist nun gekommen, es ist nun soweit, das Entsetzen macht sich in meinem Koppe breit…, so eine Textzeile von mir. Einst als Trio agierend besteht Arathorn heute als Ein-Mann-Projekt von Sköll, welcher wohl für alle Instrumente verantwortlich ist. Und ich muss sagen, was ich von der 97er Scheibe "Niemals krönender als was einst war" auf einem Sampler gehört habe, ließ mich noch mit einigermaßen Hoffnung und Spannung gen meine Anlage ziehn.
War zwar im Nachhinein noch nie wirklich berauschend aber das der scheppernde rasende Black Metal von damals einer Lagerfeuerromantik-kompatiblen Lala gewichen ist, gereicht meiner Meinung nach nicht wirklich zum Vorteil Arathorns. Die Radikal-Kur zieht sich durch die gesamt neue Platte. Schwer verständlich Songtitel von einst, wie etwa "In Spektren pulsierender Todesrinnung" (häh, was hat man sich denn darunter vorzustellen) sind ausgetauscht worden gegen Songs der Marke "Siegfried von Xanten" und "Hagens Verrat". Kundige Leser wissen bereits in welche Richtung der Marsch geht. Da steckt wohl ein Konzept dahinter an dem sich Bands aus Black und Pagan mehr oder minder erfolgreich immer wieder versuchen. Sköll gelingt hingegen nun der Faux Pas, die Sagen der Nibelungen mit der nordischen Mythologie zu vermischen. Lindwurm neben Fenrizwolf, im Doppelpack gleich potenziert schlechte Laune oder was? Tun wir das mal unter künstlerischer Freiheit ab.
Doch nun zur eigentlichen Musik: Es gibt jede Menge Akkustik-Klampfe zu hören, die von Keyboard und Flöten hinterlegt vor sich hin schwelgt. Barde Sköll besingt diese Melodien denn auch standesgemäß mit klarem Gesang, der eigentlich gut gelungen ist. Die Töne trifft er zumindest überzeugend und seine Stimme ist relativ angenehm und verständlich. Die Schwarzmetall-Wurzeln vernachlässigt er ebenfalls nicht. Leider ist der Sound - ich sage mal - sehr rau bis dumpf ausgefallen. Technisches Gefrickel ist hier natürlich nicht zu erwarten. Mittelalterlich hymnisch anmutende Gitarrenlinien sind das Mittel der Wahl, Aggressionen also nur unterschwellig vorhanden. Wer hier auch nur einen Blast-Beat erwartet, steckt in der falschen Rüstung. Der Ritter Pferde sind ja auch früher höchstens im Uptempo in die Schlacht gallopiert.
Warum Sköll dann auf einmal im Lied "Ragnarök" ins Feindeslager der Angeln und Sachsen wechselt und auf englisch singt, muss man nicht wirklich verstehen, es wirkt zumindest etwas deplaziert. Mit kriegerischen Ohhohoh-Chören und Brandungsrauschen im selben Lied ist Sköll hingegen gelungener redlich um Abwechslung bemüht. Diese Scheibe ist höchsten was für Leute, die alles Pagan-mäßige im Schrank haben müssen.

Fazit: Ein Album, welches ich meinen Kindern, so ich denn welche hätte, abends zum Einschlafen auflegen würde liegt hier vor mir. "Treue und Verrat" kann mich nicht wirklich überzeugen. Zu vorhersehbar und abgenudelt erscheint mir das Ganze und die Aggressivität des Metals ist irgendwie dank des vielen Akkustikspiels abhanden gekommen. Ganz zu schweigen von den lyrischen Ungereimtheiten. Zu gute halten muss ich Sköll, dass er anscheinend wirklich sein ganzes Herzblut in seine Musik steckt. Jetzt beauftrage ich meinen Pegasus, die Scheibe ins ewige Nirwana meiner Sammlung zu befördern und schließe mit Arathorns Textzeile: Oohh hätte ich, sie niemals doch erblickt, ach hät doch eine Klinge vom Feind mich hingestreckt… und meiner Antwort: Oohh hätte ich, dies CD niemals doch gehört, ach hät doch die Ragnarök im Bestreben empfindlichst mich gestört.



Wertung: 6 / 10





Gesamtlänge: 37:50
Label: < Folter Records >
VÖ: Bereits raus

Tracklist
1. Am Tag der letzten Schlacht
2. Siegfried von Xanten (Drei Kapitel)
3. Hagens Verrat
4. Siegfrieds Tod
5. Ragnarök



Myspace: < www.myspace.com/arathornberlin >



Beitrag von UnDerTaker an 08.05.2008, 21:42
Sehr humorvoll ein Meisterwerk der alten Germanen umschrieben.
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