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Livebericht zum Neuborn Open Air Festival 2018


Flyer
Neuborn Open Air Festival, was für eine Erfolgsgeschichte...
Im Juli 2005 waren wir schon beim ersten NOAF mit den wenigen Fans dabei, die im heftigen Regen, neben einigen Cover-Bands, auch Hartwurstmetal von Bands wie Tombthroat, Warchild X, Crusher und Wallrain, auf dem, als Jugendprojekt organisierten Festival, abfeierten. Überhaupt war der Regen die Konstante beim NOAF der ersten Jahre und nur die hartgesottenen Festivalgänger hatten trotzdem ihren Spaß. Erst in den letzten Jahren hatte Petrus ein Einsehen und schenkte dem Festival in Wörrstadt besseres bis sehr gutes Wetter. Jahr für Jahr steigerten die Veranstalter die Publikumszahl, fanden finanzkräftige Sponsoren und buchten immer größere Hardrock- und Metalbands. Auftritte von Bands wie Sodom, Kreator, Destruction, Doro, Agnostic Front, Arch Enemy, Soulfly, Candlemass, Napalm Death, Biohazard und Paradise Lost machten das Festival deutschlandweit bekannt. Die Mischung aus softeren Klängen wie dem 70er Jahre Rock über Indie hin zu härteren Tönen wie Thrash-, Death Metal und Grindcore, aber auch der (New York) Hardcore und der, bei dem jüngeren Publikum verehrte, Metalcore machen das Festival besonders. Ein weiteres Highlight und sicher mit ausschlaggebend für die Erfolgsgeschichte dürfte die familiäre Atmosphäre und die hochprofessionelle Organisation am Festivalwochenende sein. Wo gibt es schon, bei einem Festival dieser Größe, neben den üblichen Merchständen solch eine riesige Auswahl an Essen wie beim NOAF? Die Getränke- und Essenspreise sind im Rahmen und größere Wartezeiten an der Getränke- oder Essensausgabe sind selten. Einzig einen Stand mit härterem Stoff oder Cocktails vermisse ich hier. Auch wenn dieser in den Anfangsjahren des Festivals vorhanden war, musste er wohl dem Jugendprojektcharakter geopfert werden.
Da sich in diesem Jahr die Bandauswahl deutlich härter und Death-metallischer als in den letzten Jahren darstellte, war es klar, nicht nur wieder am Start zu sein, sondern das Gesehene und Gehörte wie in den Anfangsjahren niederzuschreiben.

Im heißen Supersommer 2018 waren die Tickets für das NOAF im Vorfeld knapp geworden und am Samstag meldete man sogar „Ausverkauft“! Das Gelände war wie gewohnt organisiert. Das große offene Zelt vor der Essens- und Getränketheke war wieder mit vielen Tischen und Bänken bestückt und auch ein paar chillige Sofas und Sessel hatten ihren Weg zum NOAF gefunden. Gefühlt war das Gelände voller als die Jahre zuvor, was aber wohl daran lag, dass mehr Fans sich auf dem Gelände tummelten und der Campingplatz eher leer war. Aufgrund der monatelangen Dürre in Deutschland war auch hier das Grass verdorrt und die Sache geriet hier und da mal zu einer staubigen Angelegenheit (mehr siehe unten).

Freitag, 24.8.2018
So begann für uns das Festival am Freitag bei herrlichem Sonnenschein und 30° C mit dem Opener und Gewinner des diesjährigen Bandcontests All It’s Grace. Der Metalcore mit Death Metal Einschlag konnte bereits viele Fans vor die Bühne locken, was in den letzten Jahren nicht so oft vorkam. Die Band machte mächtig Stimmung und wurde vom Publikum abgefeiert. Von den Mainzern wird man in Zukunft sicher noch mehr zu hören bekommen.

Mit den Kanadiern Counterparts sollte der Nachmittag mit Melodic Hardcore aufgeheizt werden. Irgendwie war uns das Ganze etwas zu grell und derbe, so dass wir uns mit All It’s Grace im Publikum etwas Fun gönnten.

Die Thrasher Warbringer aus dem fernen Kalifornien machten auf ihrer Europatour halt in Wörrstadt und spielten einen geilen Gig. Mit pfeilschnellen Thrash Metal und einer super Performance, riss die Band die Leute mit. Sänger John Kevill peitschte die Menge immer wieder an und die Leute fraßen ihm förmlich aus der Hand. Ganz klar, einer der Höhepunkte des diesjährigen Festivals.

Foto: Deserted Fear
Deserted Fear
Dann das Highlight für die Death Metal Fraktion. Die Senkrechtstarter Deserted Fear aus Thüringen präsentierten uns den old school Death Metal, mit dem sie seit ein paar Jahren europaweit riesige Erfolge einfahren. Wie zuletzt auf dem Party.San Open Air, hatte die junge Band ein riesiges bühnenfüllendes Backdrop mit dem Cover von ihrem letzten Album aufhängen lassen. Von Anfang an herrschte gute Stimmung und die Fans feierten den Death Metal ab. Der sympathische Vierer bretterte viele Songs von den ersten beiden Alben von der Bühne, was bei uns besonders gut ankam. Wir haben Deserted Fear nun schon etliche Male live gesehen und sind noch nie von der Band enttäuscht worden. Leider war der Sound, wie bei allen vorigen Band auch, etwas dünn und zu leise.

Audrey Horne aus Norwegen waren den weiten Weg aus Bergen gekommen, um uns ihren Hardrock um die Ohren zu hauen. Wie an den T-Shirts im Publikum zu sehen war, waren einige wohl extra wegen Audrey Horne gekommen. Sänger Torkjell Rød und seine Mitstreiter lieferten einen tadellosen Gig ab, der Songs im Stile irgendwo zwischen Rainbow, Iron Maiden und Primal Fear enthielt. Etwas verwirrend war für mich, dass fast jeder Song einen anderen Musikstil inne hatte. Das Publikum war etwas verhaltener als zuvor bei Deserted Fear, aber hatte sicher seinen Spaß mit der Band, deren Musiker üblicherweise in anderen Bands Black- und Death Metal spielen. Daher wohl auch der Joke von Sänger Torkjell Rød, der ansagte, man wäre Taake aus Bergen, was aber keiner im Publikum so richtig wahrnahm. Die Band selbst zeigte sich gut gelaunt und Fan-nah und der Sänger und Gitarrist kamen mitten im Set von der Bühne und mischten sich unter die Fans.

Nun folgte mit Kadavar aus Berlin eine Band, die doomigen 70er Rock auf das NOAF brachte. Der sehr langsame Rock war nun nicht gerade unsere Baustelle, so war es ein guter Zeitpunkt sich mit kühlen Getränken einzudecken.

Völlig anders gingen die Headliner Sick Of It All zur Sache. Feinster New York Hardcore wurde von den Amis zelebriert. Sympathisch und ohne Allüren ging die Band, um die Gebrüder Lou und Pete Koller, zur Sache und bretterte die Hits ihrer 32jährigen Bandgeschichte in die Menge. Wir waren uns einig, dass Sick Of It All zwar einen guten Gig ablieferten, aber uns nicht so überzeugen konnten wie zuvor 2014 Biohazard und 2016 Agnostic Front.

Im Anschluss hatten wir wie immer, bis zum Morgengrauen, mächtig viel Spaß auf dem Campingplatz. Auch das ist NOAF!

Samstag, 25.8.2018
Nachdem es am frühen Morgen geregnet hatte, startete der Samstag deutlich kühler, aber sozusagen mit bestem Festivalwetter. Für uns begann das NOAF mit den Franzosen P.O. Box, der Ska - Punk Band aus Nancy. Den Opener Denyal aus Mainz, welcher im letzten Jahr beim Bandcontest den zweiten Platz belegte, haben wir leider verpasst. Der Gig von P.O. Box war gut besucht und es wurde viel getanzt. Die Band mit den Bläsern war für uns dieses Jahr der Exot auf dem NOAF.

Als nächstes waren die Street Dogs aus Boston an der Reihe. Der Punk der Amerikaner, der an Dropkick Murphys erinnert, machte mächtig Laune und ging ins Bein. Die Fans rockten heftig über den Platz und die Band wurde abgefeiert.

Foto: Metal Inquisitor
Metal Inquisitor
Auf die Koblenzer old school Heavy Metaller Metal Inquisitor war ich sehr gespannt, hatte ich sie doch seit der Metal Cruise 2007 nicht mehr live gesehen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Heavy Metal at it‘s best. Neben vielen Hits aus der Bandgeschichte und einem brandneuen Song, durfte auch der Song “Daze of Avalon” vom 2002er Debütalbum „The Apparition“ natürlich nicht fehlen. Das Publikum hatte ebenfalls seinen Spaß, bangte, feierte und bedachte die Band mit viel Applaus.

Foto: DevilDriver
DevilDriver
Danach waren die Kalifornier DevilDriver an der Reihe. Es war ein sehr staubiges Event, denn es herrschte ein kontinuierlicher Mosh- und Circlepit, der mal kleiner, mal größer wurde und auch die von der Band geforderte Wall of Death wurde mehrmals zelebriert. Die Fans hatten mächtig Spaß. Es wurde auf der Bühne und im Publikum gehüpft und gesungen. Die amerikanischen Modern/Melodic Death Metaller präsentierten sich sympathisch und zeigten eine mitreisende Show.

Foto: The Black Dahlia Murder
The Black Dahlia Murder
The Black Dahlia Murder besuchten auf ihrer Festivaltour durch Europa ebenfalls den Neuborn. Schnell und dreckig wurde ein mächtiger Abriss von den Death Metallern geliefert. Wie auch zuletzt auf dem Party.San Open Air gesehen, gab die Band alles und feuerte ihre schnellen Songs in die durchdrehende Menge. Die Amis forderten vom Publikum den größten und gefährlichsten Circlepit des Festivals und bekamen diesen geliefert. Das Publikum legte tatsächlich noch ne Schippe drauf und zeigte einen größeren und wilderen Circlepit wie zuvor bei DevilDriver. Großartige Show!

Danach wurde die Bühne mit Aufstellern zu einem Wild West Fort umgebaut, denn Orden Ogan kamen mit ihrem Powermetal auf die Bühne. Dem NOAF Publikum gefiel die Show der Deutschen und feierte mit der Band. Zu Beginn und vor dem Ende der Sets schossen die Metaller mit mehreren Minikanonen weiße Papierstreifen ins Publikum, was ziemlich cool aussah.

Foto: Samael
Samael
Schlussact des Festivals war die Schweizer Kultband Samael. Gegründet in den 80er Jahren als Black Metal Band haben die Schweizer sich zu einer Crossover Band mit viel Keyboard, Elektronik und Dark/Gothic-Elementen „entwickelt“. So auch hier auf dem NOAF, neben straighten Metalriffs war viel Keyboardsound und Drumcomputer zu hören. Auch wenn wir die Band besser als Jahre zuvor auf dem PSOA empfanden, konnte uns die Show auf Dauer nicht fesseln.

Mittlerweile hatte sich die Temperatur auf kühle 13° C eingependelt und es fühlte sich arschkalt an, was wohl auch viele andere so empfanden. So langsam machten sich doch einige Leute Richtung Zeltplatz auf, um das Wochenende dort ausklingen zu lassen.

Wenn das nächste NOAF ruft, sind wir wieder mit am Start!
In diesem Sinne „Hey NOAF“…

Bericht und Fotos von , 2.9.2018