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Festivalbericht zum 19. Protzen Open Air 2016

24.06. - 25.06.2016

Protzen open airDas 19. Protzen Open Air lockte wieder 1000 Fans in das kleine Drfchen in Brandenburg. Nicht nur wegen des wieder vorzglichen Billings war das POA bereits seit Januar ausverkauft. Denn das POA bedeutet auch familire Atmosphre, nette Leute, Freunde treffen, humane Preise, gutes Essen, Lagerfeuer(romatik), Partymucke nach den Gigs und und und also viele gute Grnde sich ein Ticket zeitig zu besorgen. Die Mehrzahl der Besucher ist 30 und ist an einem gemtlichen Festival interessiert und so soll es auch sein. Das Gelnde wurde etwas umgestaltet und die Zufahrt war auch am anderen Ende des Gelndes. Der Grillmeister war ebenfalls auf die gegenberliegende Seite des Festivalgelndes gewechselt, was den Vorteil hatte, dass er somit auch das Catering fr den Backstagebereich machen konnte. Ansonsten blieb alles weitgehend beim Alten und niemand musste sich nachts im Bierrausch im Dunkeln verlaufen.
Die Security war wieder supernett und hatte rein gar nichts zu tun. Wogegen die Helfer in den Getrnkestnden schon. Denn bei 34C Hitze hat der gemeine Metalfan groen Durst und dieser muss zumeist mit viel Bier gelscht werden.
Apropos Wetter: berhaupt muss man den Fans und vor allem den Bands Respekt zollen, denn bei diesen Temperaturen zu spielen oder zu moshen ist schon extrem. So lief auch den meisten Bandmitgliedern whrend der Gigs der Schwei in Strmen die Arme herunter und tropfte auf die Bhne. Die Shirts und sonstige Klamotten waren auf wie auch vor der Bhne meist triefend nass und durchgeschwitzt. Die extreme Hitze hielt von Freitag bis ungefhr zum Bodyfarm Auftritt am Samstag an. Danach wurde es dann merklich khler und in der Nacht zum Sonntag waren schon wieder die wrmenden Zipper angesagt.

Nachfolgend meine Eindrcke, die ich bewaffnet mit Foto, Stift und Notizblock fr euch gesammelt habe


Funeral whore
Funeral Whore
Freitag:
Die ersten beiden Bands Moronic und Drill Star Autopsy haben wir leider verpasst und so begann das POA fr uns erst mit den Niederlndern Funeral Whore .
Die Band hatte trotz der Hitze viele Fans vor die Bhne locken knnen und spielte eine gute Show. Der fette Death Metal des Vierers berzeugte auf ganzer Linie. Die Fans bangten und spendeten Applaus fr die Leistung.

Protection of hate
Protection of hate
Mit Protection of Hate stand so etwas wie ein Loacalmatador auf der Bhne. Denn die Berliner Hardcore Combo hatte viele Berliner Fans mitgebracht und aber auch neue dazu gewonnen. Der flotte kernige Hardcore des Dreiers wurde von den Fans gefeiert und die einzelnen Bandmember mit Rufen aus dem Publikum hochleben lassen. Snger Inge lie ein paar Sprche ab und so war der Gig der Berlin Underdogs eine einzige Party.

Kali Yuga
Kali Yuga
Jetzt stand melodischer Death Metal auf dem Programm. Die Ostdeutschen Kali Yuga waren zu fnft gekommen, um mit ihrem eingngigen Death Metal die Htte zu rocken. Bei immer noch brtender Hitze machte die Band ordentlich Stimmung und das Publikum lie sich anstecken und machte mit. So konnte man hier und da ordentlich kreisende Matten sehen.

Mit Furnaze kam nun Thrash Metal an die Reihe. Der Dreier bestehend aus Gesang/Gitarre, Basserin und Schlagzeug berzeugte durch wahnsinnig filigrane Gitarrenarbeit.
Erwhnenswert, dass nach vier gesehenen Bands bereits die dritte Frau mit Bass (2) oder Gitarre (1) auf der Bhne stand.
Purgatory
Purgatory

Die Sachsen Purgatory waren aus Nossen angereist, um uns dsteren Death Metal um die Ohren zu hauen. Gewohnt professionell zogen Purgatory ihr Set durch und lieen sich auch durch die brutale Hitze nicht wirklich stren. Viele Fans, darunter auch einige Musiker der vorhergehenden Bands, hatten sich vor der Bhne eingefunden, um den finsteren harten Tnen auf der nebelumwobenen Bhne zu huldigen.
Danach zog erst mal ein heftiges Gewitter mit Sturm, aber ohne Regen, ber das Gelnde.

Fleshcrawl
Fleshcrawl
Die old school Schwedentodkapelle Fleshcrawl zeigten, wo der Hammer hngt und warum man sie auch als die schwedischsten aller deutschen Death Metalbands nennt. Knarziger Gitarrensound gepaart mit ufta ufta Drums und Growls von Frontmann Seven Gro verfehlten nicht ihre Wirkung und die sehr volle Htte wurde abermals von den Fans gerockt.

Die Berliner Postmortem holten heute ihren im letzten Jahr, nur Minuten vor dem Auftritt, abgesagten Gig nach. Mit ihrem groovenden Death Metal nehmen Postmortem bekanntlich keine Gefangenen und brettern direkt in die Fresse. Mit Songs wie Give us hate, Ghost of the warship, Hate covers hate, Among the dead, Hate, kill, destroy und
Postmortem
Postmortem
Revolution hatte man einen bunten Mix der letzten Alben am Start und ich meine noch Killing days erkannt zu haben, bin mir da aber nicht sicher. Als besondere berraschung prsentierten Postmortem uns einen Gastsnger. Und dies war kein Geringerer als Marc Grewe, der noch bis vor ein paar Monaten bei Morgoth sang. Soweit ich mich erinnere, hat er zusammen mit Ptz den Song Hate, kill, destroy gesungen. Meiner Meinung nach war der Sound nicht wirklich gut abgemischt, so dass Gesang und Instrumente nicht sauber rber kamen und den Gesamteindruck deutlich drckten. Schade, denn Postmortem haben mich schon oft mit fettem und druckvollem Sound begeistert. Die vielen Fans hatten auf jeden Fall viel Spa und mchtig gefeiert, forderten eine Zugabe und bekamen diese prompt geliefert.

Da die Niederlnder Soulburn in einem Megastau festsaen, wurde der Slot kurzfristig mit den sterreichern Belphegor getauscht. Da die Black Metaller bereits frhzeitig in Protzen eingetroffen waren, drfte es kein greres Problem gewesen sein. Ein eigens, (oder waren es zwei?), mitgebrachter Roadie hatte allerhand auf der Bhne zu tun. Schlagzeug und Gitarren stimmen, zwei Gebilde aus
Belphegor
Belphegor
Ziegen/Schaf-Knochen aufbauen, schnell noch die ABC-Schutzmaske ans Mikro gehngt und zum Schluss einen Kelch mit heftig dampfendem Weihrauch aufgestellt... Dann ging es endlich los mit Black Metal la Helmuth, Serpenth und Band. Helmuth kam und nahm auf der Bhne erstmal einen Schluck aus der bereitgestellten Rotweinpulle. Er, gewohnt wortkarg, sthnte in den Pausen zwischen den Songs gelegentlich sein Deutschlaaand ins Mikro. Zwischendurch kam noch ein Mnch in schwarzer Kutte auf die Bhne und versprhte noch mehr Weihrauchqualm und Bassist Serpenth zeigte eine gute Stageaction und zog finstere Grimassen. Trotz der aufwendigen Show und der exquisiten Auswahl an Songs der letzten 13 Jahre konnten mich die sterreicher heute vom Sound sowie auch sonst nicht berzeugen. Zu flach, ohne den ntigen Groove und Bums zogen die Songs im dichten Nebel und Weihrauchdunst an einem vorbei, ohne dass sich der Leibhaftige auch nur ansatzweise blicken lie.
Hier fr Interessierte die (wohl) komplette Setlist: Feast Upon the Dead, In Blood - Devour This Sanctity, Gasmask Terror, Hells Ambassador, Rex Tremendae Majestatis, Lucifer Incestus, Conjuring the Dead, Pactum in aeternum, Bondage Goat Zombie, Totenbeschwrer, Totenkult - Exegesis of Deterioration.

Soulburn
Soulburn
Anders lief es da bei Soulburn , die nun als letzte Band des Freitags an der Reihe war. Schnrkellos und ohne jeden Schnick-Schnack oder Pomp ballerten sie ihren geilen Black/Death/Doom Metal von der Bhne. Was sollte man von der Supergroup, der niederlndischen Metalcommunity, bestehend aus Twan van Geel am Mikro und Bass, Bob Bagchus an den Drums, Remco Kreft und Eric Daniels an den Gitarren, auch anderes erwarten. Viele Fans waren, trotz der mittlerweile angenehmen Sommernacht und des gemtlich brennenden Lagerfeuers, gekommen, um mit Soulburn abzufeiern. Es wurde mchtig gebangt und Party gemacht, die den Niederlndern auf der nebelverhangenen Bhne sichtlich gefallen hat. Gespielt wurden natrlich Songs des letzten Albums The Suffocating Darkness und mit dem Knaller Feeding on Angels wurde irgendwann nach 1 Uhr der erste Tag des Protzen Open Airs musikalisch beendet.



Lagerfeuer Nach dem Gig war nun die beste Gelegenheit mit Freunden von Bands wie Purgatory, Revel in Flesh sowie Veranstaltern und Helfern vom Party.San und einigen anderen gemtlich noch ein paar Bierchen zu zischen, zu quatschen und am Lagerfeuer abzuhngen. Zwischendurch besuchten wir auch das Partyzelt in dem Musik vom 80er Hair Metal bis zu aktuellem Extrem Metal gespielt wurde. Nach Anbruch des Morgengrauens war es Zeit, das Taxi zu rufen und die Geschichte gestaltete sich schwieriger als im letzten Jahr So war es noch mal eine witzige Situation irgendwann um kurz vor 5 Uhr irgendwo in Protzen auf der Strae noch Soulburn zu begegnen, ihrem Fhrer folgend, den richtigen Schlafplatz zu finden.


Samstag:
Am Samstag wollten wir, nach der kurzen Nacht, eigentlich zu Avulsed wieder am Start sein, aber ein heftiges Gewitter mit Hagel und Starkregen lie uns erst mal das Frhstck in unserer Unterkunft noch etwas
Chapel of Disease
Chapel of Disease
ausweiten. Trotz des Gewitters wollte sich das Wetter nicht abkhlen und so blieben die Temperaturen an diesem Samstag zunchst wieder bei ca. 32 C.

So kamen wir dann leider erst zu Chapel of Disease beim POA an, denn diese Band darf man sich nicht entgehen lassen. Und es war ein uerst gelungener Auftritt der vier Klner. berragende Gitarrenarbeit, die einem die Nackenhaare stehen lie, zog einen sofort in den Bann. Viele Fans waren auch hier wieder vor der Bhne erschienen und machten trotz der Hitze riesig Stimmung. Chapel of Disease berzeugten auf voller Lnge und spielten mit super Sound ihre Songs so originalgetreu wie auf den Alben. Groes Kino, meine Herren!

Lividity
Lividity
Lividity aus Illinois/USA zhlen eigentlich musikalisch und von ihrer Einstellung her nicht unbedingt zu meinen Favoriten. Dennoch waren speziell fr die Brutal Death Grinder viele Fans angereist und auch vor der Bhne aufgelaufen. Obwohl bei der Band der Schwei in Strmen floss, spielten sie ein fettes und berzeugendes Set. Auch die Fans gaben trotz der Hitze alles und ein Circlepit rotierte fast durchgngig vor der Bhne.

Weiter ging es mit einem meiner Favoriten, nmlich Bodyfarm aus den Niederlanden. Die Herren berzeugen normalerweise immer mit ihrem bangkompatiblen melodischen Death Metal mit ordentlich Groove und der Liveperformance. Die Halle war bei Bodyfarm nicht ganz so gut gefllt, dennoch machten die Fans krftig mit und lieen die Matten ordentlich kreisen. Trotz der gewohnt guten Performance konnten die Niederlnder mich heute nicht vollstndig vom Hocker hauen, vielleicht lag es auch an der Songauswahl, die mir nicht so zusagte und auf der einige der groovigen Hits fehlten.

Malignant Tumur
Malignant Tumur
Die Tschechen Malignant Tumur sind schon Stammgste auf dem Protzen Open Air und haben eine Riesenfanbase beim POA. Die Temperaturen waren glcklicherweise nach dem Vorbeiziehen eines weiteren Gewitters etwas khler und die Band legte gewohnt fetzig und wild los. Der Motrhead-lastige, crustige Metal der vier Jungs gefiel der vollen Htte und es herrschte eine Partystimmung. Der Sound war ausgesprochen gut und berall wurde gemosht und gebangt, was das Zeug hielt.

Disbelief
Disbelief
Disbelief
waren die Nchsten und haben mich vllig weggeblasen. Gar nicht so zh, wie ich die Songs der Hessen in Erinnerung hatte, knallten die Songs frisch und hart voll auf die Zwlf. Snger Karsten "Jagger" Jger war bester Laune und Stimme und machte eine gute Show, wie auch der Rest der Band. Ein glasklarer und fetter Sound, sowie bollernde Drums sorgten fr den perfekten Unterbau. Bis in die letzten Reihen wurde dem Gig von Disbelief fast andchtig, fast respektvoll gelauscht, gebangt oder zumindest mit dem Kopf genickt. Mit 26 Jahren Erfahrung hatte die Band heute die Menge fest im Griff. Mit viel Applaus bis in die letzten Reihen wurde die Band nach ihren alten Hits To the sky und Misery entlassen. Groes Kino.

Kampfar
Kampfar
Jetzt folgten die Norweger Kampfar mit Pagan/Black/Folk Metal und ich verrate es vorweg: Hier wurde noch mal eine Schippe draufgelegt. Ich war gespannt wie dieser Style hier von den POA Fans aufgenommen wird. Da ich bereits zuvor viele Kampfar Shirts gesehen hatte, konnte von einem greren Publikum ausgegangen werden. Und so war es denn auch, schon einige Zeit vor dem Auftritt der Band hatte sich viel Publikum vor der Bhne versammelt. Als dann Kampfar loslegten, war die Stimmung groartig und es wurde mitgesungen, die Fuste gereckt und mitgebangt. Snger Dolk zeigte eine tolle Show und legte nach und nach seinen Oberkrper (mit dem Kampfar Tattoo) frei und zwischendurch ein riesiges Nagelarmband an und ab. Er heizte mit seinen Gesten die Stimmung an und brachte die Htte zum Brodeln. Gitarrist Ole Hartvigsen zeigte ebenfalls eine sehr aktive Stageaction und selbst Finsterling Jon Bakker am Bass heizte die Menge an. Die oft stampfenden rhythmischen Songs der Norweger wurden lauthals mitgesungen und die ganze Halle bebte. Ein groartiger Gig, der allen Anwesenden sicher lange in Erinnerung bleibt.

Ein Kontrastprogramm lieferten die nchsten Skandinavier
Impaled Nazarene
Impaled Nazarene
Impaled Nazarene . Pfeilschnell, grell und gnadenlos ist der Metal der Finnen. Gerchten zufolge soll man Snger Slutti666 noch kurz vor dem Gig, (den Rausch ausschlafend), schlafend Backstage gesehen haben. Nun aber auf der Bhne, machte er seinen gewohnt guten Job. Wer die Finnen kennt, machen diese keine groen Worte sondern knallen einem ihre Songs gnadenlos vor den Latz. Die Halle war bei Impaled Nazarene auch nicht vollstndig gefllt, aber die Band bretterte ihre Songs runter, lie auch Smashhits wie Total war Winter war nicht aus. Die geforderte Zugabe wurde ebenfalls nicht gegeben, wie zuvor schon bei Disbelief.

Nun folgte der Headliner Brujeria aus Mexiko, die gerade auf Europa Tour sind. Tatschlich wei ein jeder, dass Brujeria
Brujeria
Brujeria
ein multinationales Projekt aus sehr bekannten Musikern ist. Heute habe ich aber Gitarrist Shane Embury alias Hongo vermisst. Auch bei den anderen war ich mir nicht gnzlich klar, ob die erwarteten Musiker hinter den Masken versteckt waren. Der spanische Death und Grind ist allerdings ehrlicherweise nicht meine Baustelle. Auch wenn der Gig ganz fetzig war, der mexikanische Gangsta-Look schick aussieht und mit der merkwrdig aussehenden Gastsngerin im roten Kleid (Botox und aufgespritzte Lippen lassen gren) auch etwas zur Auflockerung getan wurde, habe ich mir nicht den kompletten Gig angesehen und drauen schon mal ein khles Bierchen verkstigt. Die Songs kamen mir anfangs etwas hakelig vor, wurden aber gegen Ende richtig fett, basslastig und groovig. Dem Publikum hat die Show wohl gut gefallen und es wurde ordentlich mitgemacht. Im Ohr ist mir, der kurz vor dem Ende gespielte, uralte Song Brujerizmo vom gleichnamigen Album von 2000, hngen geblieben, da der mir live deutlich besser gefallen hat als auf der Scheibe. Interessant auch die T-Shirts der Band, die den amerikanischen Prsidentschaftskandidaten Trump mit einer Machete im Schdel oder gar nur den abgeschlagenen Kopf zeigen. Im September kommt brigens die neue Scheibe Pocho Aztlan auf den Markt.


Schlussfoto mit Freunden So endete denn leider wieder der offizielle Teil eines weiteren tollen Protzen Open Air fr uns. Aber selbstverstndlich wurde noch weiter gefeiert und die mittlerweile sehr milde Sommernacht genossen. Mit Freunden von Purgatory, Party.San und Protection of Hate wurden ein paar Biere und scharfe Mexikaner getrunken und der kalte Hnde Contest durchgezogen. Die Metaldisco ballerte wieder laut aus dem Zelt und bei einigen Songs wurde so laut mitgegrlt, dass man es fast im ganzen Ort hren konnte.
So verabschiedeten wir uns denn gegen 4 Uhr und konnten diesmal pnktlich mit dem Taxi zu unserer Unterkunft abrcken.
Wieder mal haben wir ein groartiges Festival erlebt drfen und werden sicher nchstes Jahr wieder am Start sein, zumal bereits am Samstag die ersten fetten Buchungen fr das POA 2017 bekannt gegeben wurden.
Abermals viel Dank an Mario und Andrea Grimmer fr den Support sowie allen Helfern und Fans.

Verfasst von Pit aka UnDerTaker