Interview mit Endseeker

Melodischer Schwedentod aus Deutschland, da muss man ab jetzt auch die Hamburger Jungs von Endseeker erwähnen.
Näher dran, sowohl klanglich als auch geografisch, am Ursprung ist momentan sowieso keine andere Truppe aus deutschen Landen.
Ich hab mir Sänger Lenny geschnappt und ihm ein paar Fragen gestellt.

Martin: Ahoi oder Moin Moin wie man ja im hohen Norden sagt. Mit wem habe ich den das Vergnügen?
Lenny: Moin, ich bin Lenny, Sänger der Old School Rumpeler Endseeker

Martin: Dann zuerst das sanfte abtasten bevor es zu den intimen Fragen kommt.
Was war damals der Grund dafür das Du/Ihr angefangen hast/habt Musik zu machen? Girls, Sex, Drugs & Rock`n`Roll?
Lenny: Für die anderen kann ich es nicht so detailliert sagen.
Ich denke aber, was uns allen gemein ist, ist ein gewisser Schaffensdruck. Wobei Druck klingt so negativ, sagen wir mal Schaffenswille.
Ich habe schon seit der Kindheit Musik gemacht. Das ganze Programm durch. Blockflöte in der Grundschule, dann Violine bis zum Abi.
In dem Alter hatte ich noch eher Interesse an super guten Hollywood-befreiten Legosets und weniger an den von dir genannten Tätigkeiten ;)
Mit Metal habe ich angefangen als ich 17 war. Das war für mich eine Zeit mit großem Frust (kennen vermutlich viele in dem Alter) und ich wusste nicht wohin mit der ganzen Unzufriedenheit.
Habe dann schnell feststellen können, dass Lautstärke eine prima Alternative zum Herumgrummeln ist und Schreien geiler ist als Schweigen.


Martin: Wie kam es zum Namen Endseeker?
Lenny: Das ist eine ausgezeichnete Frage. Es schwebte zuvor ein anderer Name im Raum, der uns aber nicht auf Dauer geflasht hat.
Ich meine mich zu erinnern, dass Jury den Namen Endseeker damals vorgeschlagen hat. Mit welcher Motivation das geschah, kann ich dir aber auch nicht sagen ;)
Für mich ist der Name äußerst passend für die Band. Wir sind keine jungen Strolche mehr, die sich die Hörner abstoßen wollen. Viel mehr haben wir uns ohne Erwartungen zum Herumrumpeln getroffen und um eine gute gemeinsame Zeit zu haben.
Romantische Gefühle dürfen da natürlich nicht fehlen! Also ergänzen wir noch, dass wir gemeinsam in den Sonnenuntergang und dem Ende entgegen reiten.
Und so hätten wir die Brücke zum Endseeker geschlagen, höhö.


Martin: Wer ist bei euch für die Texte verantwortlich. Woher kommt die Inspiration dafür?
Lenny: Die Texte entstammen meiner Feder (klingt total lyrisch, wa?). Ich habe in meinem Kopf einen Katalog an Themen, die mich wurmen oder reizen.
Mir macht es Spaß mit Texten einen schmalen Grad zu gehen und mit einem gewissen Witz doch auch etwas Ernstes auszusagen.
Inspiration…da muss man ja nur mal einen halben Tag ohne Musik auf den Ohren mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein. Da kommt die Inspiration von ganz allein.


Martin: : Warum noch eine Band in dem Genre in dem es doch schon so viel gibt und auch aussreichend Konkurrenz aus dem eigenen Land kommt?
Lenny: Ich glaube, dass es noch nie jemandem Erfolg gebracht hat darauf zu schauen, was andere so treiben.
Wir haben uns auf jeden Fall nicht überlegt „oh, wir machen jetzt keinen Schwedentod, weil es da so viel gibt“. Den Stil gibt es halt schon eine ganze Weile. Er hat sich ewig lange gehalten und das liegt wohl daran, dass viele Leute ihn einfach mögen.
So geht es uns auch. Warum also irgendetwas anderes aus den Fingern saugen, um Originalität zu suggerieren? Was möchte man im Death Metal überhaupt noch neu erfinden? Einfach das machen, worauf man Bock hat und sich selbst treu sein.


Martin: Ist Endseeker eine ernsthafte Angelegenheit für euch oder mehr so ein Spassprojekt.
Lenny: Es ist halt eine Leidenschaft. Eine, die Spaß bringt, aber auch eine, die wir mit einer gewissen Seriosität (haha, er hat das böse Wort gesagt) betreiben.
Wir haben schon einige Ziele, die wir gerne erreichen möchten und die zu erreichen ist harte Arbeit. Wenn das Ganze uns aber keinen Spaß bringen würde, dann würden wir es halt nicht tun. Also eine gesunde Symbiose aus Spaß und Ernst.


Martin: Mussten andere Bandmitglieder erst vom Sound überzeugt werden oder wart ihr gleich auf einer Wellenlänge?
Lenny: Ha! Das kann ich ganz kurz machen! Wir waren alle sofort von Jurys Demo-Songs verzaubert und konnten ihm Rattenfänger-artig nicht widerstehen.

Martin: : Wenn sollte man ausser natürlich Endseeker aus dem Hamburger Raum noch gehört haben? Sonst noch irgendwelche Geheimtipps musikalischer Hinsicht?
Lenny: Wir haben eine sehr aktive Metalszene in Hamburg, die von diversen Undergroundbands lebt. Das ist total klasse. Einige etwas größer, andere total undergroundig.
Wer beispielsweise auf Doom steht, kann mal bei unseren Labelkollegen Ophis reinhören. Wer Hochgeschwindigkeitsattacken gern hat, kann mal in meine andere Death Metal Kapelle Devastator reinhören.
Incarceration ist auch so ein Garant für gute Laune. Bei Negator gibt es ebenfalls gut auf die Mütze. Spontan fallen mir jetzt noch Morbitory, Torture Gut, Irate Architect, Dawn of Obliteration, Ill-Fated, Surface und Meiszter Scheisze aus Hamburg ein.
Den umliegenden Raum lasse ich mal außen vor. Habe sicherlich wieder irgendwen vergessen und werde dafür Hassmails ernten, egal. ;)


Martin: : Läuft bei dir/euch nur Metal oder auch anderes? Was blockiert aktuell dein/euer Musikwiedergabegerät? Was ist dabei das favorisierte Abspielmedium? Mc, Cd, Vinyl, Digital
Lenny: Och, bei mir läuft alles Mögliche. Ich bin da recht offen gestrickt. Gucke mir auch gerne mal die Coverband im Irish Pub meines Vertrauens an, wie sie sich abmüht irgendwelche superpopulären Songs zu spielen.
Mein Lieblingsmedium ist definitiv live! Insgesamt ist Metal natürlich der absolute Platzhirsch bei uns.
Dabei lebt Ben den Vinylglauben, ich mag es lieber platzsparend digital auf Festplatte und Jury erzählt immer, was er gerade geiles an CDs auf dem Weg zur Arbeit gehört hat. Ich höre gerade mal wieder Kataklysm mit Shadows & Dust.


Martin: Wenn man in Hamburg ist, was ist abseits der Mainstreamsachen an Sehenswürdigkeiten empfehlenswert?
Was sollte man auf jeden Fall gesehen haben? Welche Clubs, Plattenläden usw könnt ihr empfehlen?
Lenny: Plattenladen fällt mir spontan die Plattenkiste ein. Super sortierter Laden und klasse Betreiber! Da kann man sich auch gerne mal für länger drin vergraben.
Auf dem Kiez kann man mal ganz gut ins Night Light oder das Lunacy schauen. Möchte man sich irgendwie bewegen (aus welchem Grund auch immer) läuft im Head Crash öfter mal metallisches Zeug.
Live Konzerte im Bambi Galore sind immer empfehlenswert. Ansonsten läuft im Knust, Marx (Markthalle), Logo, in der Astrastube oder auch im Stellwerk in Harburg immer wieder gutes Programm!


Martin: : Hamburg war in diesem Jahr besonders wegen zweier Themen in den Medien: G20 und Elbphilharmonie.
Wart ihr während der G20 Zeit in Hamburg? Wenn ja, wie habt ihr das Ganze wahrgenommen?
"Elphi", Glanzpunkt oder unnötig? War schon jemand drin?
Lenny: Super Thema! :D G20 habe ich gemütlich im TV und auf YouTube verfolgt. Es ist ja alles sehenden Auges passiert. Nun kommt in den Nachrichten, dass dieser „tolle“ Event die dafür veranschlagten 50 Millionen Euro toppen wird. Da freut sich das Hamburger Steuerzahler Herz.
Die Elbphilharmonie finde ich eigentlich ganz gut. Wenn man über die Köhlbrandbrücke nach Hamburg reinfährt, ist es schon genial dieses Bauwerk schon aus großer Entfernung zu erspähen.
Hätte halt nicht 12mal so teuer wie angekündigt werden sollen. Die Anschaffung hat sich ja zum Glück in 250 Jahren amortisiert. Ich war während der Bauphase mal drin und da war das Bauwerk schon sehr beeindruckend.


Martin: Wo wollt ihr mit der Band noch hin? Ist der aktuelle Status ausreichend oder darf das ruhig noch wachsen in punkto Bekanntheit und Reichweite? Wo seht ihr euch in 10 Jahre?
Lenny: Bei der Gründung haben wir ja tatsächlich mit nichts gerechnet. Da haben wir schon deutlich mehr geschafft und das ist super!
Aus den guten Erfahrungen ohne Erwartungen auf die Bretter zu steigen haben wir gelernt, dass wir genau so weiter machen.
Wir freuen uns über alles, was uns ermöglicht wird. Wir wissen aber auch, dass uns mit der Band schon ein riesen Geschenk gemacht wurde.
Wenn aus dem, was wir machen, größere Bekanntheit resultiert, sehr gerne! Planen tun wir das aber nicht.
Die 10-Jahres-Frage würde ich am liebsten mit einem GIF beantworten, was ich hier aber nicht tue. ;)


Martin: Unternehmt ihr abseits der Band zusammen auch was oder ist das ein reines Bandding bei dem nach jedem Treffen (Gig, Proben) jeder wieder seiner eigenen Wege geht?
Lenny: Wir sind ja alle voll in Arbeit und Familie eingespannt. Ab und zu schaffen wir es aber uns zu koordinieren. Da kredenzt uns Ben mal Burger oder wir gehen gemeinsam auf nen Gig von Freunden.
Manchmal ist da auch Pfeffi im Spiel…


Martin: Was erhofft ihr euch von Fda Records, warum gerade dieses Label?
Lenny: Als wir die EP aufgenommen haben, da dachten wir eigentlich eher an ein Demo, das wir selbst pressen und bei Shows unter das Volk bringen.
Rico wurde dann aber vorher auf uns aufmerksam und bei einem so renommierten Label wie F.D.A. kann man seine ursprünglichen Pläne auch gerne mal über Bord werfen.
Wichtig ist, dass die Zusammenarbeit gut läuft, damit steht und fällt alles. F.D.A. ist eine sehr gute Adresse für Old School Death Metal Kapellen. Super Typ!


Martin: Das geniale Albumartwork: Hatte der Künstler freie Hand oder gab es Vorgaben von euch?
Lenny: Wir haben dem Künstler Albert Che soweit freie Hand gelassen.
Wichtig war uns, dass er unseren Stil visualisiert und den Albumtitel im Thema einbringt. Darum ist da ja auch der schöne Fleischhammer drin. Wir sind mega glücklich wie das Artwork geworden ist.


Martin: Lenny: Wer hatte die Idee für die Listeningsession in der Hamburger Fussgängerzone? Gibt es davon noch weiteres, unveröffentlichtes Material?
Und was war da mit der Frau los die nur Unterwäsche unter ihrem Mantel trug? Ging da noch was?
Lenny: Unser kreatives Medienmastermind ist Ben. Der hat auch gesagt: „Lenny! Du musst die alten Leute ansprechen! Wir gehen hier nicht weg, ehe du nicht irgendwelchen Rentnern die Scheibe vorgespielt hast!“.
War für mich eine völlig neue Erfahrung, die aber tatsächlich mein Leben bereichert hat. :D
Natürlich gibt es auch noch unveröffentlichtes Material. Vielleicht werden wir das in 10 Jahren mal an den Meistbietenden versteigern.
Tja, mit der Frau haben wir nicht gerechnet. 19 Uhr. Fußgängerpassage. Menschenmassen. Ich dachte wir können die Frau mal ansprechen, die wirkt doch seriös in ihrem Mantel. Gesagt, getan.
Ich habe gar nicht mitbekommen was sie nebenbei gemacht hat. Erst auf dem Videomaterial später konnte ich sehen, was da eigentlich passiert ist (zum Glück erst später! ;) ).


Martin: Devastator (Lenny`s zweite Band) hatten wir von hell-is-open 2014 im Rahmen des Path of Death schonmal nach Mainz geholt.
Irgendwelche Erinnerungen daran, sei es positiv oder negativ? Überhaupt irgendwelche Erinnerungen daran? Würden Endseeker auch mal vorbeischauen wenn wir sie fragen würden?
Lenny: Da kann ich mich gut dran erinnern! War ein riesen Spaß! Ich finde immer super, wenn die Bands entspannt sind und man auch ein bisschen im Backstage rumalbern kann.
Die Mainzer vor der Bühne waren auch angenehm wahnsinnig! Mainz ist immer eine Reise wert, ich hätte auf jeden Fall Bock!



Oktober 2017 // Martin