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Interview mit Steff von CHAEDRIST

Chaedrist
Chaedrist aus dem Raum Mnchen haben mit ihrem Album  Grandevality im Januar 2015 ordentlich fr aufsehen gesorgt. Grandevality lsst sich als Album kaum einordnen. Es ist das Ergebnis zweier Musiker die all ihre Einflsse dazu verwenden sich selbst zum Ausdruck zu bringen. Es ist ehrlich, greifbar und verstndlich. Ein Album welches unzhlige Puzzlestcke zu einem groartigen Bild zusammenfgt und sich am besten dadurch charakterisieren lsst, dass es sich nicht charakterisieren lsst. Fr mich Grund genug mit den Machern ein Interview zu fhren.
HIO-Ron: CHAEDRIST hat mit "Grandevality" die ersten Gehversuche unternommen - zumindest was Verffentlichungen angeht. Seit wann existiert das Projekt in seiner jetzigen Form schon? Wie wurde CHAEDRIST zu dem was es heute ist?
Steff: CHAEDRIST hat streng genommen 2010 als Soloversuch von mir angefangen; viele fundamentale Ideen hinter CHAEDRIST haben ihren Ursprung in dieser Phase. So richtig an Fahrt gewonnen hat das Projekt aber erst mit dem Eintritt von Mike im Sommer 2012. Wir hatten schon Jahre zuvor in diversen Bands zusammen gespielt und wussten somit bereits, dass wir kreativ hervorragend harmonieren. Wir hatten uns ans Songwriting gemacht und nebenher versucht, eine komplette Band aufzustellen. Das gestaltet sich bei gnzlich neuen Projekten immer etwas schwierig, dementsprechend hatten wir in der Hinsicht ein paar herbe Rckschlge erlitten. Deswegen haben wir uns schlielich darauf konzentriert, zu zweit ein Release herauszubringen. Im Nachhinein betrachtet war das die einzig richtige Entscheidung.
HIO-Ron: Entscheidungen ist ein gutes Stichwort. Ihr berlasst bei CHAEDRIST ja nichts dem Zufall so hat ALLES bei euch einen Sinn bzw. eine Bedeutung. Fangen wir doch beim Namen an. Warum CHAEDRIST? Woher kommt der Name und fr was steht er?
Steff: He he, stimmt, das hat manchmal schon leicht pedantische Zge bei uns. (grinst) Nun, ich versuche mich kurz zu halten: Der Name CHAEDRIST ist letzten Endes vom griechischen "χάος" (chos) abgeleitet. Das Wort bedeutet ursprnglich so viel wie "Leere" oder "Kluft". Das Femininum dazu wrde "χαίδρα" (chadra) lauten, latinisiert "chaedra". Chaedra wiederum ist der Name einer zentralen, quasi-gttlichen Symbolfigur in manchen meiner Texte. Gbe es so etwas wie einen Chaedrismus, wre ich demnach ein - richtig, ein Chaedrist.
HIO-Ron: Genauso mystisch wie diese Beschreibung klingt ist auch die Musik von CHAEDRIST. In meinen Augen verdankt sie einen grossteil ihrer Faszination der Tatsache dass ihr es geschafft habt unzhlige EinflsChaedristse zu einem groen Ganzen zu verbinden und dabei absolut einzigartig und rund zu klingen. Wie war das vor dem Schreiben des Albums? Ein Musiker hat ja bestimmt eine Vorstellung dessen was er erschaffen will. Habt ihr geahnt dass Grandevality am Ende so aussehen wird oder hat sich das whrend des Entstehungsprozesses erst so entwickelt? Oder einfacher formuliert: was war euer (musikalisches) Ziel fr Grandevality?
Steff: Man schleppt am Anfang schon irgendeine vage Vorstellung mit sich herum, denke ich. Nur muss man meines Erachtens aufpassen, dass einem dieses Bild im Kopf nicht den Blick fr das Wesentliche verstellt, da am Ende sonst blo verkrampfter, unauthentischer Murks herauskommt, der weder Knstler noch Publikum zufrieden stellen kann. Folgerichtig sind Mike und ich im Grunde nur unseren kreativen Instinkten gefolgt und haben uns dafr konsequent smtliche Freiheiten eingerumt. Zu Beginn war die einzige, rein musikalische Intention hinter CHAEDRIST, ein Projekt zu haben, in welchem wir wirklich keinerlei - auch keine verborgenen - Kompromisse eingehen mssen und in dem wir uns frei entfalten knnen.
HIO-Ron: Kompromisse sind, soweit es mich angeht, auf dem Album auch nicht zu finden. Wollen wir doch den Fokus nun auf die Musik setzen. Jenseits Aller Sonnen gehrt zu meinen Lieblingsliedern. Es ist ein brutaler Ohrwurm ohne dabei plump oder einfach zu wirken. War die Entstehung dieses Songs so unbeschwert wie er sich anhrt?
Steff: : Nein, so unbeschwert luft das bei uns nicht; dazu sind sowohl Mike als auch ich zu sehr perfektionistisch veranlagt. Sehr erfreulich, dass man die Arbeit dahinter nicht heraushrt! Ich finde, es gibt kaum Schlimmeres, als wenn man einem Song seine Mhsal anmerkt und dieser dementsprechend gewollt und schwerfllig klingt. Aus meiner Sicht zeichnet u. a. genau das unser Songwriting aus, dass wir bei aller Lust am Experimentieren dennoch auf den Fluss des Liedes achten, da zu heftige oder falsch platzierte Brche unntig die aufgebaute Atmosphre zerstren.
HIO-Ron: Dem kann ich nur zustimmen. Grandevality hrt sich durchgehend unbeschwert an. Welche(n) Song(s) wrdet ihr als eure(n) Favoriten benennen? Gibt es da einen oder betrachtet ihr (als Band) das Album eher als ein Ganzes?
Steff: Lass' es mich mal so sagen: Im Nachhinein findet man immer Details, die man geringfgig anders gestalten wrde, wenn man knnte. Das macht es schwierig, dauerhafte Favoriten zu benennen. Das Album insgesamt ist fr uns jedoch alles in allem eine sehr zufriedenstellende Manifestation unseres Schaffens zum aktuellen Zeitpunkt - und damit im Grunde schon mehr, als wir ursprnglich erwartet htten. Obendrein sehen wir uns natrlich in unserem Tun besttigt durch die zahlreichen, extrem positiven Kritiken und auch privaten Rckmeldungen, die wir bisher zu unserem Erstling erhalten haben.
HIO-Ron: Wenn man sich die bisher erschienen Kritiken so ansieht hat Grandevality ordentlich eingeschlagen. Daher wird die nun wachsende Fanbase bestimmt bald nach mehr Material verlangen. Ihr seid momentan aber erstmal auf der Suche nach Livemusikern. Wie ist da der Stand der Dinge?
Steff: Absolut! An Material fehlt es uns nicht, da waren wir von Beginn an recht fleiig. Ja, an einer ordentlichen Livebesetzung arbeiten wir zurzeit mit Hochdruck. Da bin ich auch verhalten optimistisch, was das anbelangt.
HIO-Ron: Na da hoffen wir doch das Beste! Wie sieht die weitere Planung aus? Kurz- und Langfristig? Was knnen wir von CHAEDRIST erwarten?
Steff: Wie bereits angedeutet, mchten wir CHAEDRIST mglichst bald auf die Bhne bekommen. Das wird uns die nchste Zeit mit Abstand am meisten beschftigen, vor allem, da wir eine nicht minder individuelle Liveperformance anstreben und wir uns dazu noch viele Gedanken machen mssen. Unser Traumziel ist es, dass jedes Konzert ein denkwrdiger Abend sowohl fr uns als auch fr das Publikum wird. Du kannst dir vorstellen, dass das sehr harte Arbeit fr uns bedeutet, aber wir haben nicht vor, in der Hinsicht Kompromisse einzugehen.
Abgesehen davon suchen wir gerade nach sinnvollen Mglichkeiten, unsere Musik auf verschiedenen Plattformen anzubieten, da es im Moment nur mglich ist, unser Album direkt ber uns zu beziehen. Dann wre eine eigene Website angedacht, da wir aktuell lediglich auf Facebook prsent sind.
Ansonsten stehen noch ein paar Ideen im Raum, was wir eventuell noch machen knnten, aber ber ungelegte Eier diskutiere ich ungern. Ich kann jedem nur empfehlen, sich auf dem Laufenden zu halten, indem man regelmig auf www.facebook.com/chaedrist vorbeischaut - die Seite ist brigens auch fr nicht registrierte Nutzer einsehbar. Falls jemand eine CD erwerben mchte, so kann er uns auf Facebook anschreiben oder uns eine Mail anchaedrist.official@web.de schicken.
HIO-Ron: Ich hoffe dass ihr es bald auf die Bhne schafft! Apropos CD-Verkauf: bestimmt werden euch einige (fanatische) Fans aufgrund dieser Aussage Kommerzialisierung und/oder Ausverkauf vorwerfen. Leider ist das ja momentan in der Szene (wieder) ein prsentes Thema (Metalshirts bei H&M, Vorflle bei Konzerten & Festivals etc.). Wie steht CHAEDRIST zu dieser ganzen Debatte?
Steff: Ach, der Vorwurf der Kommerzialisierung / des Ausverkaufs hat im Metal ja schon lange Tradition. Nichts, wovon wir uns meiner Meinung nach beunruhigen lassen mssen, dazu sehe ich in unserem Fall absolut keine Grundlage. Musik auf verschiedenen Plattformen anzubieten bedeutet ja im Endeffekt mehr Bequemlichkeit fr den Hrer, nicht fr uns. Im brigen wurden wir explizit von Fanseite darauf aufmerksam gemacht, dass es doch toll wre, wenn wir das Album z. B. auch als kufliche Download-Version anbieten wrden. So viel also dazu. Zum Thema allgemein: Kommerz im negativen Sinne hat fr mich den Geruch von unverhltnismigem Gewinnstreben. In meinen Augen ist das wiederum scharf abzugrenzen von dem vllig legitimen Vorhaben, eine Band halbwegs zu refinanzieren, um sie am Laufen zu halten. In einem speziellen Genre wie dem unseren ist allein das schon ein ambitioniertes, aber nicht minder gerechtfertigtes Ziel.
Falls jemand das einem zum Vorwurf machen will, kann ich denjenigen einfach nicht ernst nehmen. Es reicht im Gegenzug oft schon, solche Gestalten darauf anzusprechen, wie konsequent sie solche Mastbe im Alltag ausleben. Anstatt eine Antwort zu geben, werden diejenigen dann lediglich verlegen in ihr brandneues Smartphone starren.
HIO-Ron: Na das nenn ich mal ne ordentliche Aussage. Apropos: knntest du/ihr euch vorstellen in der Zukunft als CHAEDRIST zu einem aktuellen oder historischen Ereignis Stellung zu nehmen? Sei es in einem Interview, mit einem Song, einem Konzeptalbum oder einem Auftritt bei einer bestimmten Veranstaltung. Oder ist das vorerst keine Option?
Steff: Ausschlieen wrde ich es nicht per se, zumindest im Rahmen eines Interviews. Konzeptionell sehe ich dafr dagegen keinen Raum, zumindest zum aktuellen Zeitpunkt. Ich wei nicht, auf welchen Veranstaltungen so etwas ntig sein knnte, an denen wir auch interessiert wren. (Vielleicht kannst du das etwas przisieren?)
HIO-Ron: Ich dachte dabei an Veranstaltungen mit einer klaren, politischen Ausrichtung. Also gegen Rechts, gegen Partei XY oder aber ein Konzert welches die Einnahmen an einen politischen Verein o.. spendet. Also Veranstaltungen bei welchen man sich mit dem Auftritt deutlich positioniert. Wrde man CHAEDRIST da irgendwann antreffen knnen (auf der Bhne)?
Steff: Im Kontext mit CHAEDRIST sehe ich dafr keinerlei Anlass. Politik ist bei uns Privatsache, dementsprechend haben wir kein Interesse daran, uns als Band da irgendwie zu positionieren. Das wre allein schon mal deswegen schwierig, weil uns kein einheitlicher, politischer Gedanke eint. Kunst kann, muss aber nicht politisch sein.
HIO-Ron: Das stimmt. Und die Kunst sollte ja auch im Vordergrund stehen. Was mich zur nchsten Frage fhrt: inwiefern wrdet ihr auf eure knstlerische Freiheit verzichten? Stichwort Major-Label. Wrde CHAEDRIST einen Vertrag, zb. Bei Nuclear Blast, unterzeichnen wenn sich das Label ein Mitspracherecht einrumt? Musikalisch und/oder was Artwork und Prsentation angeht, wo wrden da eure Grenzen liegen?
Steff: Auf die knstlerische Freiheit verzichten? Gar nicht. Ein Label sollte uns einen Vertrag idealerweise deswegen anbieten, weil es von unserem Schaffen und Auftreten insgesamt berzeugt ist und uns darin untersttzen mchte. Wir wrden uns Vorschlgen zwar nicht von vornherein verschlieen, aber ich wrde nichts unterzeichnen, womit ich mein Lebensprojekt verraten wrde, indem ich irgendwem ein Mitspracherecht einrume, der eine ganz andere Interessenlage als ich hat. Ich htte jedoch durchaus nichts gegen etwas Untersttzung in Bezug auf alle organisatorischen und verwaltungstechnischen Aufgaben, weil es viel Zeit frisst, wenn man alles selbst machen muss. Bis dahin bleibt uns nichts anderes brig, allerdings hat es auch seine Vorteile, unabhngig zu sein. Dennoch prfe ich jedes Angebot, das bei uns reinflattert, womglich ist ja doch was Interessantes dabei...
HIO-Ron: Die Daumen werden gedrckt. Und selbst wenns nicht klappt wrdet ihr euch wohl kaum davon abhalten lassen weiterzumachen. Mit Grandevality ist der erste Schritt nun getan. Was sagst du, als Erschaffer dieses Werks, warum sollte sich ein Metalliebhaber euer Album auf keinen Fall entgehen lassen?
Steff: Danke. Nein, vielmehr ist das Gegenteil richtig. Wieso sich also ein Metal-Freak unser Erstlingswerk Grandevality nicht entgehen lassen sollte? In erster Linie, weil er von uns extrem authentische Musik geboten bekommt, die erst mal fr sich spricht! Nicht ohne Stolz kann ich sagen, dass wir keinen sonstigen Firlefanz heranziehen mussten, um auf uns aufmerksam zu machen.
Wir ruhen uns jedoch nicht auf unserer Authentizitt aus, sondern stecken obendrein eine gewaltige, aber dennoch wohldosierte Menge an kreativer Energie und Arbeit in CHAEDRIST. Davon berzeugt sich jeder am besten selbst auf unserer Seite www.chaedrist.bandcamp.com , wo man sich das komplette Album als Stream anhren kann.
Jedenfalls nimmt der Wille, mit eiserner Disziplin und selbstmitleidloser Entschlossenheit an CHAEDRIST immerfort zu feilen, nahezu tagtglich zu. Wir haben Blut geleckt! (auch, wenn es anfangs vor allem unser eigenes war ;-) )
HIO-Ron: Besser kann man ein Interview kaum beenden. Ich danke dir Stefan, stellvertretend fr CHAEDRIST, vielmals dass du dir die Zeit genommen hast, wnsche euch alles Gute und freue mich auf alles was ihr uns in Zukunft um die Ohren haut!

Mrz 2015 //