Death, Sweat & Gastric Juice
Schirenc plays Pungent Stench
Martin El Cochino Schirenc kann durchaus in Persona als Aushängeschild und Mastermind des heimischen (Österreich) Death Metals bezeichnet werden. Er gehört nicht nur zu den Wegbereitern dieses Genres, sondern auch zu den bekanntesten und wichtigsten Vertretern der Metal Szene in Österreich.

Biographisches
Foto: Martin Schirenc
Martin Schirenc, 2017
Martin Schirenc wurde im Dezember 1968 in der österreichischen Hauptstadt geboren. Wien ist auch nach wie vor sein Lebensmittelpunkt und Rückzugsort.

Alex Wank, sein Jugendfreund und der junge Martin Schirenc spielten bis 1987 in einer Gruppe namens Carnage. Nach deren Auflösung beschlossen die beiden, eine eigene Band zu gründen und suchten nach einem Basser. Dieser (Jacek Perkowski) wurde von einer Band generiert, mit denen sie sich damals eine Bleibe teilten. Dort nahmen die drei Anfang 1988 ein Demo auf, betitelt Mucous Secretion. Sie performten in Folge ihren ersten Gig am 16. April 1988 in Wolfsberg (Kärnten) und nannten sich Pungent Stench (beißender Gestank). Danach folgte ein Split-Album mit Disharmonic Orchestra , das ihnen über die Landesgrenzen hinaus erste Aufmerksamkeit schenkte.

Im Jahre 1990 brachte man das Debütalbum For God Your Soul…For Me Your Flesh heraus. Die Band tourte nach der Veröffentlichung ausgiebig in Europa und in den USA. Im selben Jahr erschien Blood, Pus and Gastric Juice, ein Jahr später Been Caught Buttering.

Der internationale Erfolg stellte sich ein. Pungent Stench veröffentlichten 1993 die EP Dirty Rhymes and Psychotronic Beats, dort zu finden die grandiose Coverversion der Band WARNING Why can the bodies fly. Und man produzierte sogar ein Video, genannt: Video La Muerte. Ein Jahr später folgte Club Mondo Bizarre…For Members Only, es wurde wieder eine USA Tour absolviert. Die Wiener waren mittlerweile Kult, sie hatten sich eine internationale Fangemeinde erspielt und gehörten nun zum festen Bestand der Death Metal Szene!

Trotzdem löste sich die Band Mitte der 90er Jahre überraschenderweise auf. Die beiden Gründungsmitglieder gingen im Streit auseinander.

Foto: Dan Vall aka Danny Vacuum, Protzen Open Air 2014
Dan Vall, 2014
Der Sampler Praise the Names of the Musical Assassins wurde 1997 auf den Markt gebracht, mit 19 raren Tracks sowie unveröffentlichten Studioaufnahmen. Gleichzeitig teilte man mit, dass dies das letzte Lebenszeichen der Band sei.

Fünf Jahre nach dem Split ließen Martin Schirenc und Alex Wank die legendären Pungent Stench (vorübergehend) neu aufleben.

Sie gaben 2001 mit dem death-metal lastigen Album Masters of Moral - Servants of Sin ein starkes Lebenszeichen von sich. Die folgenden Jahre waren von einigen Besetzungsänderungen geprägt, die letzte gemeinsame künstlerische Arbeit erschien unter dem Namen Ampeauty (Amputee & Beauty) im September 2004. Martin Schirenc offenbarte im August 2007 das erneute Aus von Pungent Stench, bereits geplante Shows wurden nicht mehr gespielt.

Foto: Mike Gröger, Protzen Open Air 2017
Mike Gröger, 2017
Seit August 2013 gibt Martin Schirenc unter dem Namen Schirenc Plays Pungent Stench (der abgeänderte Name aus rechtlichen Gründen) altes Pungent Stench Material zum Besten. Mit ihm auf der Bühne stehen am Bass Dan Vall sowie an den Drums Mike Gröger.

Es läuft rund für Martin Schirenc, das Pungent Stench Songmaterial kommt nach wie vor gut an und live können die Musiker sowieso immer überzeugen. Und wie Herr Schirenc mir im Juni anlässlich eines Interviews verraten hat, können sich die Fans wohl auch auf neues Material freuen…
(siehe Interview mit Martin Schirenc 2017)


Diskographie
Foto: Martin Schirenc, 2014
Schirenc, 2014
Damals war das Songmaterial durchaus eine Neuheit auf dem Death Metal Bereich. Extreme Texte, die vom Tod, diversen sexuellen Neigungen, von Folter und weiteren Ungustiösitäten handelten, unterlegt jedoch mit dem für Wien eigenen morbiden Humor. Durch die hervorstechenden Artworks nehmen die Texte auch visuell Gestalt an.
  • 1988: Mucous Secretion (Demo)
  • 1999: Split-LP mit Disharmonic Orchestra
  • 1990: Extreme Deformity
  • 1990: For God Your Soul…For Me Your Flesh
  • 1990: Blood, Pus and Gastric Juice
  • 1991: Been Caught ButterinG
  • 1993: Dirty Rhymes and Psychotronic Beats
  • 1994: Club Mondo Bizarre…For Members Only
  • 1997: Praise the Names of the Musical Assassins
  • 2001: Masters of Moral – Servants of Sin
  • 2004: Ampeauty
  • 2018: ??

Sideprojekte
Martin Schirenc hatte sich nach der ersten Auflösung der Band ein kleines Tonstudio zugelegt und begann nun, sein Interesse an anderen Musikrichtungen zu vertiefen, die er mit extremem Metal verbinden wollte. Er gründete ein Studioprojekt namens VUZEM und nahm zwei Lieder auf: Von denen Bluthsaugern und Invocations .

Foto: Martin Schirenc mit Hollenthon
Hollenthon, Schirenc
Danach wandte er sich von dieser Stilrichtung wieder ab, änderte vorsichtshalber den Namen der Band auf HOLLENTHON . Er schrieb neues Songmaterial und brachte 1999 bei Napalm Records das Erstlingswerk Domus Mundi heraus sowie zwei Jahre später With Vilest of Worms to Dwell . In den Jahren 2008 und 2009 folgten dann weitere Veröffentlichungen, betitelt: Opus Magnum sowie die EP Tyrants and Wraiths . Pungent Stench waren zu dieser Zeit noch Geschichte, Martin Schirenc trat daher mit Hollenthon auch vermehrt live in Erscheinung, die höheren Gesangparts übernahm seine damalige Frau Elena.
Seit einigen Jahren ist Hollenthon auf Eis gelegt, jedoch nicht gestorben und wie mir der Wiener Musiker im vorher erwähnten Interview verriet, könnte er sich durchaus vorstellen, das Projekt eines Tages wieder auftauen zu lassen!
  • 1999: Domus Mundi (Debüt)
  • 2001: With Vilest of Worms to Dwell
  • 2008: Opus Magnus
  • 2009: Tyrants and Wraiths

Darüber hinaus verstärkt Herr Schirenc gesanglich das Death-Metal Projekt ZOMBIE INC. , gegründet 2009 von Wolfgang Rothbauer und Gerald Huber.
  • 2011: A Dreadful Decease
  • 2013: Resurrection Guaranteed (Single)
  • 2013: Homo Gusticus

Martin Schirenc fungierte außerdem als Gründungsmitglied des Darkwave/Industrial Projektes KREUZWEG OST, stieg jedoch nach der ersten Veröffentlichung aus zeitlichen Gründen aus.
  • 2000: Iron Avantgarde

Zu erwähnen wäre noch eine (kurze) künstlerische Beteiligung Anfang der neunziger Jahre an einem Projekt namens FETISH 69 .
  • 1993: Brute Force (EP)

Und er betätigt sich als Gastmusiker für die recht kultige australische Death and Roll Band namens VEGAS RHYTHM KINGS , die er laut deren eigenen Aussagen nachhaltig beeinflusst hat.
  • 2010: Maggot Piñata
  • 2012: The Screaming Death
  • 2014: Dead Sexy
  • 2015: Another Dead Hooker

Fazit
Martin Schirenc hat sich im Laufe seiner nunmehr 30-jährigen künstlerischen Laufbahn niemals verbiegen lassen. Pungent Stench waren definitiv bahnbrechend, innovativ und essentiell für die Entwicklung des Death Metals und das nicht nur in Österreich.


Ausblick
Vielleicht erleben wir (Fans) 2018 ein Wiederaufleben von Pungent Stench in Originalbesetzung an den Drums und vielleicht dürfen wir uns auch auf eine ausgiebige Tour freuen.

Schön wär‘s, Pungent Stench forever!

Foto: Martin Schirenc, 2014
  1. Österreichische Death-Metal-/Grindcore-Band, gegründet 1987 in Klagenfurt, Auflösung 1994 und wieder aktiv seit 2002.  
  2. Mario „Marius“ Klausner (ehem. Belphegor) übernahm vorübergehend den Bass von Jacek Perkowski, der 1995 ausstieg. Er verließ die Band im Februar 2004, um sich seinem neuen Projekt Collapse 7 verstärkt widmen zu können, mit Fabio Testi wurde ein neuer Basser verpflichtet. Auf Grund persönlicher Differenzen wechselte man wieder Klausner gegen Testi ein, der 2005 die gesamte Tour verstärkte. Ein Jahr später jedoch entschied er sich ins Privatleben zu wechseln und verließ erneut Pungent Stench. Ersatz fand man in Gregor „El Gore“ Marboe ein, Gitarrist einer Wiener Black Metal Band (vgl. de.wikipedia.org/wiki/Pungent_Stench
  3. Der Name gehörte eigentlich zu einer Lederfabrik 
  4. Hollenthon ist der Name einer Gemeinde in Niederösterreich. 
  5. Stilistisch beeinflusst werden Hollenthon vor allem vom Metal der 1980er Jahre, klassischer Musik, aber auch von Musik aus dem Nahen Osten, Kirchenmusik und Folk. Der Gesang variiert sehr stark, von metal-typischen Growls über gregorianisch anmutende Chöre bis hin zu opernhaftem Gesang, wobei sich die männliche (M. Schirenc) und weibliche (E. Schirenc) Stimme abwechseln (vgl. de.wikipedia.org/wiki/Hollenthon_(Band)
  6. Die Band spielt klassischen, aggressiven Death Metal. Charakteristisch für die Musik der Band ist der tiefe, gutturale Gesang und die tiefergestimmten Gitarren (vgl. de.wikipedia.org/wiki/Zombie_Inc. )  
  7. www.sra.at/band/54  
  8. www.metal-archives.com/bands/Vegas_Rhythm_Kings/3540361613/  


Verfasst von Petra Welles,
November 2017
Martin Schirenc und Petra